Bericht vom Musikschulaustausch Vrchlabi- Baunatal vom 07. bis zum 14.06 2026
Sonntag
Am 7. Juni trafen sich 23 MusikerInnen und 5 LehrerInnen an der Musikschule Baunatal, um die Fahrt in unsere tschechische Partnerstadt zur dortigen Musikschule anzutreten.
Nachdem das Gepäck und die kostbaren Instrumente verstaut waren, konnte die Fahrt starten. Unter uns waren erfahrene Vrchlabi-Fahrer, aber auch eine ganze Reihe Neulinge, die gespannt dem entgegenblickten, was uns erwarten würde. Nach einer lange, aber staufreien Fahrt wurden wir sehr herzlich vom Schulleiter Radek Hanuš, LehrerInnen und großen SchülerInnen der Musikschule ZUŠ Karel Haliř Vrchlabi willkommen geheißen und zu unseren Unterkünften gebracht. Nach der langen Fahrt freuten wir uns auf ein leckeres Abendessen, was für uns im Hotel Gendorf wartete.
Wie schon im Bus wurde von den Jugendlichen der Abend mit dem Spielen von „Werwolf“ verbracht. Ein Teil der Erwachsenen drehte zur Verdauung noch eine kleine Runde zur ersten Orientierung im Ort, um danach hundemüde in die bequemen Betten zu fallen.
Montag
Nach einem ausgiebigen und sehr leckeren Frühstück trafen sich die verschiedenen Gruppen in der Musikschule um gemeinsam zu musizieren. Teilweise waren auch schon tschechische MusikerInnen mit dabei. In den Pausen standen uns dank der hervorragenden Organisation unserer Gastgeber immer Getränke und Obst zur Verfügung.

In der Mittagspause gingen wir wieder ins Hotel Gendorf zum Essen. Dort werden wir in den kommenden Tagen immer gemeinsam Mittag- und Abendessen erhalten, jeweils als Buffet mit drei Gerichten zur Auswahl. Dies war immer sehr lecker und reichhaltig. Lediglich für Vegetarier war die Wahl etwas schwierig, da die tschechische Küche traditionell sehr fleischlastig ist.
Nach dem Mittagessen kamen dann auch die tschechischen SchülerInnen, welche morgens noch in der Schule gesessen haben, zu den gemeinsamen Proben.
Dabei wurde auch das ein oder andere Wiedersehen von vorherigen Begegnungen gefeiert.
Es wurde bis zum Abendessen iin den verschiedenen Ensembles gearbeitet und da der Wettergott uns wohlgesinnt war, konnten wir nach dem Essen noch eine Weile draußen sitzen zum Austausch.
Dienstag
Heute trafen wir uns nach dem Frühstück zu einem Stadtrundgang. Radek, der sehr gut Deutsch spricht, erzählte uns erst einiges über die Geschichte der Stadt und der Entwicklung des Riesengebirges. Nach besuchten wir die das Schloss, in dem heute die Stadtverwaltung untergebracht ist. Dort wurden wir sehr freundlich von Bürgermeister Jan Sobotka empfangen, der uns auch in die geheimen Gänge hinter harmlos aussehenden Regalen einweihte. Besonders hervorgehoben wurde nicht nur die intensive Partnerschaft der Musikschulen, die seit 20 Jahren besteht, sondern auch, dass dieser Tage auch das 35-jährige Bestehen der Partnerschaft zwischen Vrchlabi und Baunatal gefeiert wird.
Unser weiterer Weg führte uns durch den Park zum Klostergarten und der Ausgustinerabtei. An der Touristinformation machten wir einen kurzen Stopp, um uns traditionelle Deckenmalerei anzuschauen. Danach machten wir uns auf zu dem Platz, an dem der Neubau der Musikschule Vrchlabi entstehen soll. Radek hatte Baupläne dabei, so dass wir eine Vorstellung davon bekommen konnten, wie das künftige Gebäude aussehen soll. Der Baubeginn ist für Herbst 2026 geplant und zu unserem nächsten Besuch in 2028 möchten sie Einweihung feiern. Wir freuen uns drauf!

Nach dem Mittagessen ging es weiter mit Proben, die heute jedoch etwas kürzer ausfielen, da am späten Nachmittag die Ausstellung der Malschule feierlich eröffnet wurde, die mit einem gemeinsamen Abend mit Musik und Gesprächen endete. Eigentlich war hierzu ein Grillabend geplant, doch durch den Regen gab es ein Catering in der Schule. Es zeigte sich dadurch einmal mehr die perfekte Organisation und Flexibilität unserer Gastgeber.
Mittwoch
Heute trafen wir uns am Vormittag wieder zu gemeinsamen Proben in der Musikschule, mit dem Schwerpunkt, das heutige Konzert vorzubereiten. So verging der Vormittag wie im Fluge und ein weiteres leckeres Mittagessen stand an.
Nach dem Essen trafen wir uns in den verschiedenen Ensembles zur Generalprobe in der Kirche des Augustinerklosters. Zum einen, um die Örtlichkeit und die atemberaubende Akustik kennenzulernen und das Musizieren ggf. anzupassen.
Danach hatten wir etwas Freizeit, die auch dazu genutzt werden musste, passende Konzertkleidung anzuziehen und rechtzeitig wieder am Treffpunkt zu sein.
Das Konzert begann um 17.30 Uhr unter Anwesenheit der Vertreter der Städte Vrchlabi und Baunatal.

Es folgten Einzelbeiträge, Duette und verschiedene Ensembles in unterschiedlicher, auch gemischter tschechisch-deutscher Besetzung. Insgesamt bestand das Programm aus 17 verschieden Gruppen, die Blockflöte, Cello, Cembalo, Fagott, Gitarre, Horn, Orgel, Trompete und Violine spielten.
Die zwei Stunden vergingen durch die Vielfältigkeit und sehr hohen Qualität der MusikerInnen blitzschnell. Und so freuten wir uns nach dem 1. gelungenen Konzert wieder einmal auf das Abendessen.
Donnerstag
Heute steht das zweite Konzert auf dem Programm, und so trafen wir uns nach dem Frühstück mit dem Sinfonieorchester wieder in der Musikschule, um gemeinsam zu proben und an den letzten Feinheiten zu feilen. Auch einige tschechische SchülerInnen waren heute von der Schule befreit und konnten bereits am Vormittag an der Probe teilnehmen.
Am Nachmittag fand dann die Generalprobe wieder in der Klosterkirche statt, wo nicht nur die Musik geprobt wurde sondern auch überlegt wurde, wie alle ausreichend Platz finden.
Auch heute begann das Konzert um 17.30 Uhr und wurde von zwei Akkordeonensembles mit Schlagwerk aus Vrchlabi eröffnet. Die Beiträge hatten mit dem angestaubten Image eines Akkordeons nichts zu tun. Sie waren sehr modern und dynamisch gespielt und die Unterstützung durchs Schlagwerk sorgte auch beim Publikum für eine sehr gute Stimmung. Es gab großen Applaus.

Nach der Pause setzten die jüngeren OrchesterspielerInnen das Konzert fort, bevor das große Sinfonieorchester an der Reihe. Es dauerte etwas, bis ca. 60 (!) MusikerInnen ihren Platz gefunden hatten und bevor Radek Hanus mit dem Dirigat von Carl Böhms Sarabande begann. Es folgten 3 Sätze aus der Heldenmusik von Telemann.
Danach übernahm Anne Ringborg den Dirigentenstab und „Songs from a Secret Garden“ erklang. Danach erfolgten 5 Sätze aus der Carmen Suite von Georges Bizet.
Zwischendurch wechselte der Dirigentenstab zu Leonid Leibowitsch. Den Abschluss bildete der zweite Walzer in c moll aus einer Jazz-Suite von Dmitri Shostakovich.
Die Begeisterung des Publikums in der sehr gut gefüllten Klosterkirche war sehr groß und es gab stehenden Applaus. So spielten wir als Zugabe nochmals „Songs from a Secret Garden“.
Freitag
Heute ist Freizeit angesagt. Eigentlich war eine Wanderung durchs Riesengebirge zur Elbequelle geplant. Dies wurde jedoch kurzfristig wegen der schlechten Wetterprognose abgesagt. Radek hat jedoch ein fantastisches Alternativprogramm aus dem Hut gezaubert.
Nach dem Frühstück trafen wir uns im Riesengebirgsmuseum. Dort erfuhren wir mehr über die Sage von Rübezahl und die Geologie, Flora und Fauna und den Bergbau im Riesengebirge. Ein letzter Abschnitt war dem Leben der Menschen dort und der Entwicklung des Tourismus gewidmet. Leider hatten wir nur einen halben Tag Zeit, man hätte dort noch länger verbringen können.
Am frühen Nachmittag machten wir uns auf zum der am Rand von Vrchlabi gelegenen neuen Fabrik von Škoda. Dort wartete eine sehr interessante Werkführung auf uns.
Zur Sicherheit bekamen wir alle Warnwesten ausgehändigt und ein paar Verhaltensregeln erklärt. Das Škoda-Werk in Vrchlabi produziert seit etwa 10 Jahren für den gesamten VW-Konzern die Getriebe und Antriebswellen. Viele Verfahrensschritte sind automatisiert, so dass die Halle sehr sauber ist. Einzelne Schritte konnte man detailliert beobachten. Aufpassen musste man auf die völlig autonom fahrenden Transportfahrzeuge, die computergesteuert Material geliefert oder fertige Produkte eingesammelt haben. Sie sind mit Scannern versehen und bleiben sofort stehen, wenn ein Hindernis erfasst wird. Es gab so viele Informationen, so dass man gar nicht alles behalten konnte. Mit unseren Musikerohren fanden wir es sehr laut in der Halle.
Samstag
Der Tag heute war zur freien Verfügung. Ein Teil wanderte mit Radek in die nähere Umgebung von Vrchlabi, andere nutzen die Zeit für einen Einkaufsbummel oder zum Faulenzen. Das Sieben-Giebel-Haus war noch ein netter Tipp, um dort in charmantem Ambiente einen Kaffee zu trinken. Es gilt als eines der ältesten Häuser von Vrchlabi und wurde nach dem Zerfall des Sozialismus komplett saniert, darin ist ein süßes Café eingerichtet.
Abends fand dann im Hotel Gendorf der gemeinsame Partnerschaftsabend und zugleich Abschiedsabend statt. Die städtischen Vertreter beider Seiten und die Leiter der Musikschulen lobten die Partnerschaft als sehr fruchtbar und lebendig. Sie soll auf jeden Fall fortgesetzt werden, als nächstes mit der Einladung unserer tschechischen Freunde zur documenta-Zeit im nächsten Jahr. Es wurden verschiedene Gastgeschenke getauscht und der Abend wurde musikalisch umrahmt von einen deutsch-tschechischen Duo mit Gitarre und Blockflöte sowie der Big Band der Musikschule Vrchlabi.
Das Buffet war atemberaubend und so manch einer war etwas von der Auswahl überfordert. Es gab die Gelegenheit viele Gespräche zu führen, so dass man noch einmal einen Einblick in das Leben in Tschechien gewinnen konnte.
Sonntag
Abreisetag. Leider. Der Bus kam pünktlich und lud wieder sämtliches Gepäck und Instrumente ein. Dann ging es ans Verabschieden bei unseren Gastgebern, die zahlreich erschienen waren, und hierbei wurde die ein oder andere Träne zerdrückt.
Ich bin nachhaltig von der sehr, sehr herzlichen Gastfreundschaft beeindruckt sowie dem tadellosen Ablauf, dem eine präzise Vorbereitung rausging.
Ein ganz großes Dankeschön an alle Beteiligten, insbesondere den Leiter Radek Hanuš.
Unsere Rückfahrt verlief wieder problemlos und so trafen wir am späten Nachmittag wohlbehalten in Baunatal ein. Dort erwarteten uns Familie und Freunde zum Abholen.
Fazit: Es war eine supertolle, wenn auch anstrengende, Woche. Ich würde jedoch immer wieder mitfahren! Es lohnt sich.
Silke Gudehus
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